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Continental – Simplify your Drive: Eco-Modus

Unter dem Begriff »Simplicity« verstehen wir Usability-Experten das Ziel, komplexe Sachverhalte so darzustellen, dass der Anwender nicht überfordert wird. Der Automobil-Zulieferer Continental hat nun eine Studie veröffentlicht, die diese neue »Einfachheit« in der Automobilwelt verspricht. Ob das Marketing nur auf die Simplify-your-Life-Welle aufspringt, oder ob wirklich etwas substantielles vereinfacht wird: Wir schauen uns dieses Thema genauer an.

Einfach einfach denken
Die Komplexität eines technischen Systems ist einfach vorhanden, besonders im Automobil-Bereich. Kein durchschnittlicher Autofahrer kann mehr erklären, was passiert, wenn er einfach auf das Gas-Pedal tritt – zahlreiche Steuerelemente tauschen Signale aus, Messfühler registrieren Temperaturen und Durchflussmengen, Motorsteuergeräte kontrollieren die Zufuhr des Benzins in den Verbrennungsraum. Als Ergebnis dieser aufeinander abgestimmten Bauteile spart der Autofahrer Benzin oder kann schneller beschleunigen. Gleichzeitig wird verhindert, dass die Räder durchdrehen, das nennt dann der Ingenieur auch ESP. Zukünftig werden Fahrzeuge gefährliche Verkehrssituationen erkennen und reagieren können, bevor der Fahrer dazu imstande ist. Niemand möchte bestreiten, dass diese Technik für die Verkehrssicherheit sinnvoll ist und niemand möchte darauf verzichten.

Als »Eingabeinstrument« dient jedoch lediglich das Gaspedal und das Lenkrad. Es liegt an der Feinfühligkeit des Fußballens der Fahrerin oder des Fahrers, ob er die Ressource Benzin effizient zur mobilen Energieumwandlung nutzt. Der Lenkradeinschlag hält das Fahrzeug auf der vogegebenen Fahrspur. Dies soll sich nach Vorstellungen von Continental bald ändern.

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Continental – Simplify your Drive

Drei Knöpfe zum persönlichen Glück
ECO, SPORT oder COMFORT – das sind die Themen, die Continental für unsere autmobile Zukunft erdacht hat. Diese Themen werden repräsentiert durch drei Knöpfe in der Mittelkonsole, am Beispiel eines VW Passat eingebaut.

Die Knöpfe sind große Taster, die mit jeweils einem OLED-Display hinterlegt sind. Auf dem Display erscheinen neben der Beschriftung drei auffällige Motive – das Kleeblatt symbolisiert u.a. das Ökonomische Thema. Die Umsetzung der Taster und die Anordnung erinnert verblüffend an die Studie »Optimus Mini Three« der russischen Designagentur Art.Lebedev als Eingabe-Shortcuts für die Bedienung des PC.

Wenn nun einer dieser Taster gedrückt wird, so »verwandelt« sich das Fahrzeug: Im Cockpit werden neue Anzeigen sichtbar, die Farbigkeit der Anzeigen wechselt, die Motorleistung wird neu konfiguriert und die Dämpfung des Fahrgestells verändert sich in der Härte. Das Cockpit verzichtet gleich ganz auf Rundinstrumente und wird durch einen breiten LCD-Bildschirm wiedergegeben, auf dem in einer zentralen Anzeige ein grafisches Rundinstrument angedeutet wird. Im linken Monitorbereich erscheinen Navigationsangaben, im rechten Bereich Fahrassistenz-Anzeigen wie z.B. eine automatische Abstandswarnung.

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Modus „Sport“

Was erreicht nun das grafische Benutzerinterface von Continental? Zum einen werden die drei Grundthemen in unterschiedlicher Ästhetik farblich wie formal wiedergegeben. Zum anderen erscheinen diejenigen Informationen, die in Grundthema aus der Sicht von Continental an erster Stelle stehen, im zentralen Anzeigenbereich: Im Sportmodus sind dies Drehzahlmesser und Drehmoment als »magisches Auge«, im Comfort-Modus Geschwindigkeit und Navigation und im Eco-Modus die Motorleistung wiederum als magisches Auge.
Alle drei Anzeigenthemen sind kontrastreich gestaltet, fallen jedoch sehr unterschiedlich aus, es gibt so gut wie keine Gemeinsamkeiten der Anzeigenorte oder der Formen. Somit wird der Fahrer gefordert, nach Umstellung des Themas die Anzeige zu orten, die er als Rückmeldung des Fahrzeugs benötigt. Dies begrenzt somit die Umschaltung im Stand. Im Fahrzustand ist diese Umschaltung aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht zu empfehlen.

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Modus „Comfort“

Graphical User Interface
Die Grafik des Kleeblatts im Eco-Modus ist idyllisch, jedoch völlig sinnfrei, während die roten und sehr fetten Anzeigen im Sport-Modus übertrieben kontrastreich und agressiv sind.
Die Darstellung des Hauptmenüs fällt ebenso inhomogen aus: Im Sportmodus sind es klar gezeichnete Piktogramme, im Comfort-Modus hingegen reine Versalschrift in Abkürzungen. Der Benutzer muss zwangsläufig in jedem Modus die Anzeigen neu lesen, um mit dem Infotainment-System zu interagieren.

Fazit
Die Studie »Simplify Your Car« wirft in erster Linie Fragen auf: Was wurde vereinfacht, worauf wurde verzichtet? Interessant wäre es, die unmittelbare Fahrsituation und deren kognitive Anforderungen an den Fahrer vom Fahrzeug erkennen zu lassen, um Themen wie »City«, »Autobahn« oder »Dichter Verkehr« zu ermöglichen. Diese Themen könnten zahlreiche Anstöße geben, die Anzeigen im Cockpit zu reduzieren, Assistenzsysteme einzuschalten sowie die Fahrwerkseinstellung oder die klimatischen Bedingungen im Fahrzeuginnenraum zu verändern.

Continental zeigt, was die Geschäftsbereiche – bestehend aus den bisherigen Automotive-Abteilung sowie das hinzugekaufte Unternehmen VDO – zu leisten imstande sind, Ingenieursleistungen werden sichtbar.
Von einer Reduzierung im Cockpit zugunsten der Bedürfnisse des Kunden, der sich im dichter werdenden Straßenverkehr wieder auf das wesentliche konzentrieren kann, ist die Studie – und damit auch Continental – weit entfernt.

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