Flexibles Material: Der Skiff Reader

Flexibles Material: Der Skiff Reader

Nach der ersten Welle an elektronischen Lesegeräten für digitale Dokumente rund um das Jahr 2000 – und den zahlreichen Misserfolgen wie das Rocket-eBook – rühren große wie kleine Unternehmen die Werbetrommel, um Lesern auf der Welt begreifbar zu machen, dass die neuen E-Books die besseren Bücher sind.

Doch hier irren Amazon, Thalia, Sony und andere Unternehmen gewaltig. Denn die Vorteile eines E-Books liegen an einer anderen Stelle, die noch weitestgehend ignoriert wird.

Jahrzehnte an Forschungsgeldern und Arbeitszeit der Entwickler großer Konzerne wie Phillips oder Sony sind in die Lösung der Aufgabe geflossen, wie elektronisches Papier und elektronische Bücher technisch produziert und vertrieben werden können.

Während das elektronische Papier nun die Marktreife erreicht hat, wie man am neuen Skiff-Reader sehen kann, der mit einem Display vergleichbar zu einer A4-Seite in hoher Schwarz-Weiß-Auflösung ausgestattet ist und sogar gebogen werden kann, da das Substrat – also der Display-Träger – aus Kunststoff besteht – benötigt das sogenannte E-Book mehr als die Hardware.

Schlank und Leicht wie jede moderne elektronische Hardware

Schlank und Leicht wie jede moderne elektronische Hardware

Die derzeit verfügbaren Geräte zeichnen sich durch eine sehr ähnliche Hardware aus: E-Ink-Display, Tasten zum Blättern, schlankes und leichtes Gehäuse. Die Entwicklung fällt hier ähnlich wie bei mobilen Telefonen in den 80er und 90er Jahren aus, indem zunächst die wichtigsten Funktionen des Gerätes durch

Zudem besitzen die Reader eine Möglichkeit, den Inhalt vom Computer – ähnlich zum Apple iPhone oder iPod – zum Lesegerät zu übertragen. Doch dieses Konzept gibt es schon seit mehr als zehn Jahren. Unter anderem haben sich Microsoft und Adobe um das Jahr 2000 damit beschäftigt, wie eine digitale Bibliothek aussehen kann – leider gab es damals noch kein Bluetooth oder WLAN – was heutige Übetragungen von Computer zu Buch so elegant macht.

Worin der Vorteil elektronischer BĂĽcher wirklich besteht

Das Medium »Buch« einfach in eine digitale Form zu übertragen, reicht nicht aus. Denn hier begehen große Medienkonzerne – die sich bislang mit analogen, gedruckten Medien beschäftigten – einen Denkfehler. Das Buch liegt heute als industrielles Produkt in einer hohen Qualtität zu einem günstigen Preis vor. Die Inhalte sind dank Erfahrung von Typografen, die seit mehreren Jahrhunderten Schriften entwickeln, ergonomisch aufbereitet und setzen für die elektronischen Medien »Usability«-Maßstäbe.

Diese Usability gedruckter Bücher inklusive des haptisch-aktustischen Erlebnisses und der Interaktion mit dem Medium kann nicht »digitalisiert« werden. Und das macht auch gar keinen Sinn. Rein wirtschaftlich ist die Anschaffung, der Betrieb es E-Books sowie der Infrastruktur, ein E-Book mit Inhalt zu füllen, derart teuer, dass der vermeintliche Vorteil, Inhalte digital vorliegen zu haben, schnell schwindet.

Ein E-Book sollte stattdessen als Medium benutzt werden, wo das Buch als industrielles Produkt zu teuer ist: Bei FachbĂĽchern, HandbĂĽchern, Montageanleitungen oder der Steuerliteratur.

Touchschreen auf eBooks

Touchschreen auf eBooks

Fehlende Interaktionskonzepte schaden dem Erfolg der E-Books

Was iPod und iPhone erfolgreich gemacht haben, das wird nun auch auf E-Books ĂĽbertragen: Multitouch heiĂźt die Botschaft der Stunde. Doch wie sieht es denn mit der Aufbereitung des Inhaltes aus?

Die formale Gestaltung der Inhalte in strengem Schwarz-WeiĂź und klassischer Spaltenlayouts erinnert an eine Tageszeitung aus dem vorletzten Jahrhundert.

Andere Bedienkonzepte vertrauen darauf, einen Computer-Desktop abzubilden, auf dem die Programme und Dateien aufgerufen werden können. Auch dieses Konzept ist nun hinreichend bekannt.

Wo bleiben die vernetzten multimedialen Inhalte?

Dem Medium entsprechen würden Interaktionsmöglichkeiten, die bezogen zum (Text-)Inhalt weitergehende Dokumente oder Textpassagen anbieten oder insgesamt nicht als eine elektronische Buchdatei vergleichbar mit einem gedruckten Buch daher kommen, sondern als Sammlung unterschiedlicher Quellen, die sich mithilfe eines Shop-Interfaces so umfangreich auswählen lassen, dass der Konsument tatsächlich einen Vorteil durch das Medium erreicht.

Beispiel gefällig? Mehrere Autoren beschreiben denselben Sachverhalt in Form von Fachbüchern. Das eine richtet sich an Einsteiger, das andere an Profis, das dritte beleuchtet einen Spezialbereich. Niemand würde sich alle Bücher kaufen und lesen. Aber eine thematische Zusammenstellung aufgrund von detailierten Leserbewertungen aller Autoren zu einer Publikation – auch von unterschiedlichen Verlagen – wäre äußerst reizvoll.

Ein anderer Ansatz wäre es, die Inhalte anhand einer zeitlichen Dimension zu navigieren: Fachartikel liegen längt in mehreren Auflagen und Fassungen vor und beinhalten auch Vermerke, die erst in späterer Auflage – beispielsweise bei Änderung eines Gesetzestextes – vom Autor hinzugefügt wurden.

Nicht nur das elektronische Buch sondern auch das Internet an sich krankt derzeit daran, dass Suchmaschinen wie Google rein textbasiert arbeiten. Bilder können nur anhand von Tags von Suchrobotern erkannt werden, ebenso verhält es sich mit Videos. Bilderkennung von Personen sind zwar im Kommen, aber das ist noch ein langer Weg, bis grafische Inhalte von Fotografien, Infografiken oder wissenschaftlichen Bildern gefunden werden.

Die Verknüpfung dieser Medien in Form eines E-Book im Zusammenspiel mit der individuellen Zusammenstellung von »Büchern« wäre ideal, um eine neue Medienform zu erschaffen.

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